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1. Schlittenhundetraining

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Grundlegendes zum Schlittenhundetraining

"Go,Go, auf, schneller!" Schon von weitem tönt das Gebrüll durch den stillen Herbstwald.
Erschrocken bleiben zwei ältere Spaziergänger stehen, blicken sich fragend an, dann wieder: "Go, go, macht schon!", in wilder Fahrt donnert mit hängenden Zugleinen ein Schlittenhundegespann vorbei. Nur mit einem schnellen Schritt zur Seite können sich die beiden Passanten vor dem Überfahrenwerden retten. Tief hinter dem Wagen gebeugt schreit ihnen der Fahrer noch ein wüstes "könnt ihr nicht aufpassen?" zu und verschwindet hinter der nächsten Kurve. Noch lange hallt sein Gebrüll durch den Wald.
Leider ist diese Geschichte nicht erfunden und welchen "Werbeefekt" solche eine Aktion auf das Image des Schlittenhundesports wirft, läßt sich leicht ausmalen.
Jede einzelne Trainingsfahrt ist ein Puzzlestück zum Gesamteindruck, den der Schlitten-hundesport in der Öffentlichkeit hinterläßt.
Die meisten Trainingseinheiten werden auf öffentlichen Wegen durchgeführt, auf denen eben der Fußgänger Vorrang hat! Verlasse ich mit meinen Hunden mein Grundstück und begebe mich auf öffentliches Gelände, so habe ich mich so zu verhalten, daß niemand belästigt oder gar gefährdet wird. Wie läßt sich das nun mit dem Training von Schlittenhunden vereinbaren? Ist es überhaupt notwendig in der oben geschilderten Art und Weise zu trainieren? Dazu läßt sich nur eines sagen: Geschwindigkeit ist Gift! Auch die menschlichen Athleten benutzen Tempoläufe nur gezielt nach einer längeren Vorbereitungsphase, während der eine solide Grundkondition aufgebaut wird.

Aber fangen wir von vorne an:

Um überhaupt vernünftig trainieren zu können braucht es ein diszipliniertes, sprich kontrollierbares Team, sowie ein Trainingsgerät (Schlitten, Wagen oder Quadrunner), welches mir zu jeder Zeit eine Kontrolle über das Team ermöglicht, d.h. mit dem ich jederzeit anhalten kann! Leider sieht man noch zu häufig, vor allem bei den Wägen, die abenteuerlichsten Geräte, bei denen eine Kontrolle über das Team (selbst über nur 3 Hunde) nicht möglich ist.
Das Training beginnt bereits zu Hause. Hier kann ich die Hunde auf mich prägen, hier kann ich sie auf ihre zweite Heimat, die Hundebox vorbereiten, das "droppen" ( ver- und entladen der Hunde) üben. Es gibt absolut keinen Grund warum ein Hund am Startplatz beim "droppen" und bei den vorbereitenden Tätigkeiten (Trainingsgerät abladen, Zugleinen auslegen...) laut geben sollte!

Die laute Phase beschränkt sich allenfalls auf das Anspannen, das bei entsprechender Vorbereitung nur wenige Minuten dauern sollte. Danach ist wieder Ruhe, auch bei den zurückgebliebenen Hunden!

Zurück zum eigentlichen Training. Grundlegend für jedes Training ist die (hoffentlich vorhandene) Selbstmotivation des Hundes, die es zu fördern gilt. Dies zählt sowohl für Renn-, wie auch für Tourenhunde. Quält sich ein Mensch noch für eine bestimmmte Meisterschaft, wenn man ihm ein paar Geldscheine verspricht, so versagt diese Methode mangels Konversation beim Hund.

Man tut also gut daran das Training positiv zu gestalten.

Dies betrifft zum einen den Aufbau des Traingsprogramms, wie auch die Durchführung einzelner Trainingseinheiten. Grundsätzlich bedarf es einer gründlichen Auseinandersetzung mit den Hunden, um das Training dem jeweiligen Leistungsstand des Hundes anpassen zu können. Nur wenn ich den Hund nicht überfordere bleibt seine Selbstmotivation erhalten!

Von überlieferten Traingsmethoden nach dem Selektionsprinzip, mit Zuckerbrot und Peitsche kann nur tunlichst abgeraten werden.

Wie kann man nun sein Training gestalten?

Grundlage ist wie bei jedem Sportler eine solide Grundkondition, d.h. aerobe Grundausdauer, die mit Läufen bei verringerter Geschwindigkeit (Ausdauerläufe) erarbeitet wird. Unter aerob versteht man die Energiebereitstellung im Muskel unter Zuhilfenahme von Luftsauerstoff, im Gegensatz zu anaeroben Energiebereitstellung, bei der ausschließlich im Muskel gebundener Sauerstoff verwendet wird.

Um ein Schlittenhundegespann langsam zu trainieren bleibt als Mittel der Wahl zuerst nur Bremsen! Eine gute Kontrolle, das eine bestimmte Geschwindigkeit nicht überschritten wird ermöglicht hier ein Tachometer. Nun kann mit zusätzlichen Intervalläufen, Bergtraining, aber auch Erholungsläufen die Kraftausdauer und Fähigkeit hohe Geschwindigkeiten zu laufen erarbeitet werden (d.h. die anaeroben Fähigkeiten werden sukzessive aufgebaut). Hierbei sollte man sich vor Augen halten, daß wir uns selbst im Sprint weitestgehend im Bereich der aeroben Energiebereitstellung befinden. Diese Art zu trainieren findet also in weiten Bereichen mit geringerer Geschwindigkeit statt als die angestrebte Renngeschwindigkeit, manchmal aber auch mit höherer! Die Anpassung an die schlußendlich zu erwartende Leistung ( Rennen, Tour) kommt somit erst kurz vor der Beanspruchung, sozusagen als Feinschliff. Werfen wir noch einmal einen Blick auf die klassische Methode Schlittenhunde zu trainieren: In seiner extremen Form wird das Team permanent unter wettbewerbsähnlichen Bedingungen trainiert. Dies bedeutet aber permanenten Stress, auch für die besten Hunde. Hunde die verletzt sind, nicht so schnell aufbauen, fallen heraus, nicht ohne zuvor an ihre psychischen und physischen Grenzen gelangt zu sein. Ein großer Teil der Hunde zu Trainingsbeginn erreicht die Wettkämpfe nicht. Im Gegensatz dazu besteht bei der variablen Trainingsgestaltung durch die geringeren Geschwindigkeiten, den Erholungsphasen ein wesentlich geringerer Stress, schwächere Hunde , verletzte Hunde können aufgebaut werden (die Erholungsphasen in den Intervalläufen werden so lange gestaltet bis alle Hunde erholt sind).

Eine ganze Reihe weiterer Vorteile spricht für diese Art von Training:

- man lernt die Hunde besser kennen
- sie horchen besser auf Kommandos, sind damit besser trainierbar
- sie werden nicht wie man glauben könnte langsamer, da sie die Tempowechsel auf Kommando ausführen
- wesentlich geringere Gefahr des Übertrainierens und des "Sauerfahrens"
- man produziert weniger "Mitläufer", d.h. Hunde die zwar das Tempo laufen, aber nichts ziehen
- man kann auch bei höheren Temperaturen trainieren ( hängt nur von den Erholungsphasen ab!)
- Schlußendlich bekommt man eine stabile Kontrolle über das Team!
- Einziger Nachteil: man muß mehr Hirnschmalz investieren und etwas mehr Zeit!

Bevor wir die einzelnen Trainingsparameter im Detail besprechen, skizzieren wir noch einmal den Eingangs erwähnten Fall wie er sich abspielen könnte:

Zuerst einmal hört man nichts, beim Ansichtigwerden der Fußgänger verlangsamt das Team bis auf Schrittempo, mit einem freundlichen Gruß spricht man selbige an, bleibt evtl. stehen für einen kurzen Plausch, bevor man wieder weiterfährt. Dies läßt sich hervorragend in ein Intervalltraining integrieren, und schlußendlich endet dieser Vorgang für beide Parteien in einer angenehmen Atmosphäre!

Trainingsmittel für die Gestaltung eines abwechslungsreichen Trainingsprogramms

Zuerst die traditionelle Form des Hundetrainings = rennspezifisches Training:

Absolvierung der Trainingsstrecke mit voller Teamgröße im Renntempo (= 30 - 35 km/h), die Streckenlänge wird dem Leistungsvermögen angepaßt. Oftmals bleibt man bis zum ersten Rennen bei max. 80% der Renndistanz, um die Hunde "motiviert" zu halten. In dem nun vorgeschlagenen Trainingsprogramm spielt diese Methode nur eine untergeordnete Rolle, als Test vor einem Rennen allenfalls.

Bestandteile eines umfassenden Traingsprogramms sind folgende Komponenten:

(Die Teamgröße bleibt (auch beim offenen) Team bei max. 8 - 10 Hunden!)

Ausdauerlauf: 80 -90 % der Renngeschwindigkeit (25 - 29 km/h), Streckenlänge entspricht dem aktuellen Leistungsstand der Hunde, wie beim rennspezifischen Training
Installierung einer Grundausdauer (aerobische Konditionierung), sowie einer Grundgeschwindigkeit.

Variable Sprintintervalle:Wechsel von Passagen mit hoher Geschwindigkeit (30 -35 km/h) und niederer Geschwindigkeit (15 - 20 km/h). Man macht ca. 6 - 15 Wechsel pro Lauf, der in etwa 75 % der Strecke des Ausdauerlaufes betragen sollte, die Intervalle sind flexibel zu gestalten, um feste Gewohnheiten zu verhindern. Man erreicht dabei eine aerobe und anaerobe Konditionierung.
Eine Form dieses Trainings, wertvoll besonders in der ersten Vorbereitungsphase, ist das Fahrtspiel, d.h. die Intervalle werden zuerst immer länger und anschließend wieder kürzer.

Sprintintervalläufe: Läufe mit Höchstgeschwindigkeit (32-35 km/h) unterbrochen von Stops (Regenerationsphasen). Die Dauer der Sprintintervalle liegt dabe im Bereich von 1 Minute, die Regerationsphase min. 2 Minuten. 10 - 12 Wiederholungen pro Lauf sind genug. Bildung von Sprintkapazität (anaerober Bereich) und "peak-out" vor Rennen.
Eine Steigerung der Sprintintervalle sind Tempoläufe, die ebenfalls mit hoher Geschwindigkeit absolviert werden, aber übere längere Distanz.

Erholungsläufe: Training ähnlich der variablen Sprintintervalle, wobei die langsamen Phasen die Überhand haben auf etwa 75 % der momentanen Länge des Ausdauerlaufes.
Verhindert Übertrainieren.
Bei den Intervallen sollte man flexibel sein und die Schwerpunkte nach dem Gelände richten, z.B. schnelle Passagen bergauf, schnelle Passagen nur an übersichtlichen Stellen (siehe Bsp. am Eingang des Artikels)

Bei der Gestaltung des Trainigsplans sollte darauf geachtet werden, daß pro Trainingswoche der Intervallanteil nur 50%, der Erholungs - und Ausdauerteil ebenfalls 50% beträgt.

Übers Jahr gesehen gibt sich dann ein Trainingsplan, der wie folgt aussehen könnte:

Vorbereitungsphase 1: August bis September
Aerobe Konditionierung, Ausdauerlauf, Fahrtspiel, extensives Intervalltraining

Vorbereitungsphase 2: Oktober bis November
Steigerung der Kraftausdauer: Bergtraining, intensives Intervalltraining

Wettkampfphase 1: Dezember bis Januar
Gesamttrainingsumfang zurücknehmen, Vorbereitungswettkämpfe,
intensives Intervalltraining

Wettkampfphase 2: Februar bis März
Die aerobe Konditionierung wird weiter zurückgenommen (nicht unter 25%), peak - out, in dieser Phase erscheint normalerweise der Leistungshöhepunkt des Teams

Regenerationsphase: April bis Juni
Ausdauer und Regenerationsläufe, schrittweises zurücknehmen der Leistungskapazität (abtrainieren).

Jeder Musher muß sich nun selbst nach seinen Zielen einen Trainingsplan erstellen.

Einige Anmerkungen zur Durchführung

Es mag gerade für die Sprintmusher erstaunlich sein, langsam zu trainieren. Doch der Trainingseffekt ist folgender:
Eine sehr schnell gefahrene Strecke führt in den Muskeln zu anaerober Energiebereitstellung, es wird Milchsäure (Lactat) produziert, der Muskel ermüdet.
Gönne ich ihm eine ausreichende Erholungsphase, kann eine neuerliche Belastung gestartet werden. Der Organismus passt sich den Reizen an (Superkompensation) und erhält eine bessere Sprintkapazität.
Aber auch der psychologische Effekt darf nicht unterbewertet werden:
Bei ausreichend langen Pausen entsteht der Wunsch im Hund wieder eine schnelle Strecke zu absolvieren.
Genau das Gegenteil ist der Fall, wenn man die Hunde mit Gewalt zu höher Geschwindikeit antreiben will. Das einzige was man damit produziert ist eine Art Psychoterror, welcher den Hund schlußendlich ruiniert!
Man sollte nicht die Intensität des Intervalltrainings unterschätzen!
Der Hund ist am Ende eines Trainingslaufes ebenso erschöpft wie beim klassischen Training, erholt sich allerdings wesentlich schneller!

Wie bekomme ich nun die Hunde langsamer?
Der Anfänger dieser Trainingsmethode sollte bei den ersten Versuchen das Team mit der Bremse soweit runterbremsen, bis das gewünschte Tempo erreicht ist, lassen die Hunde dann nach einer Weile langsam nach dagegenzuarbeiten - Lob!
Geradezu explosionsartig werden sie das "getup" Kommando annehmen! - Lob!
Mit der Zeit passt man die Intervalle dem Erschöpfungszustand des Hundes an, Restart des Intervalls erst nach vollständiger Erholung! Man muß lernen die Hund zu "lesen".
Jetzt gilt es aufzupassen, damit der Hund nicht lernt, selbst Erholungsphasen einzuflechten.
Macht man alles richtig, bekommt man ein leistungsfähiges, kontrollierbares happy Team.

Zum Abschluß möchte ich hier einen Traingstag skizzieren wie er mit meinem Team 3 Wochen vor Beginn des Alpentrails absolviert wurde:

Dat. 31.12.96, Temp. - 15°C, klar, windstill, Streckenlänge 21,5 km, Höhendiff. 650 m
Trailverhältnisse: Bis auf 7 km gute Trailverhältnisse (älterer Trail, von den Hunden selbst gebrochen), 7 km neu zu spuren, ca. 20 cm tief.
1,2 km einlaufen (langsamer Galopp)
0,3 km Trab
2x 1,0 km Galopp mit 2´Pause
0.3 km Trab
1.8 km Galopp
0,2 km Trab
7.3 km Trab (spuren)
5´Pause
2,0 km langsamer Galopp
0.3 km Trab
0,3 km Galopp
1,2 km langsamer Galopp
0,3 km Trab
1,7 km Galopp
o,5 km Trab

2x 0,5 km Galopp mit 2´Pause

1,0 km auslaufen (leichter Galopp)

Literatur:

Mushing Nr.41
Jim Welch "Speed Dog Mushing Manual"
Pierro Rossi "Husky Power"
G. Attla "All I know ..."
J. u. M.Collins "Dog Driver"
Dr.med. T. Wessinghage "Laufen"
J. Weineck "Optimales Training"

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