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1. Schlittenhundetraining |
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Grundlegendes zum Schlittenhundetraining "Go,Go, auf, schneller!" Schon von weitem
tönt das Gebrüll durch den stillen Herbstwald. Aber fangen wir von vorne an: Um überhaupt vernünftig trainieren zu können braucht
es ein diszipliniertes, sprich kontrollierbares Team, sowie ein Trainingsgerät
(Schlitten, Wagen oder Quadrunner), welches mir zu jeder Zeit eine
Kontrolle über das Team ermöglicht, d.h. mit dem ich jederzeit anhalten
kann! Leider sieht man noch zu häufig, vor allem bei den Wägen, die
abenteuerlichsten Geräte, bei denen eine Kontrolle über das Team (selbst
über nur 3 Hunde) nicht möglich ist. Die laute Phase beschränkt sich allenfalls auf das Anspannen, das bei entsprechender Vorbereitung nur wenige Minuten dauern sollte. Danach ist wieder Ruhe, auch bei den zurückgebliebenen Hunden! Zurück zum eigentlichen Training. Grundlegend für jedes Training ist die (hoffentlich vorhandene) Selbstmotivation des Hundes, die es zu fördern gilt. Dies zählt sowohl für Renn-, wie auch für Tourenhunde. Quält sich ein Mensch noch für eine bestimmmte Meisterschaft, wenn man ihm ein paar Geldscheine verspricht, so versagt diese Methode mangels Konversation beim Hund. Man tut also gut daran das Training positiv zu gestalten. Dies betrifft zum einen den Aufbau des Traingsprogramms, wie auch die Durchführung einzelner Trainingseinheiten. Grundsätzlich bedarf es einer gründlichen Auseinandersetzung mit den Hunden, um das Training dem jeweiligen Leistungsstand des Hundes anpassen zu können. Nur wenn ich den Hund nicht überfordere bleibt seine Selbstmotivation erhalten! Von überlieferten Traingsmethoden nach dem Selektionsprinzip, mit Zuckerbrot und Peitsche kann nur tunlichst abgeraten werden. Wie kann man nun sein Training gestalten? Grundlage ist wie bei jedem Sportler eine solide Grundkondition, d.h. aerobe Grundausdauer, die mit Läufen bei verringerter Geschwindigkeit (Ausdauerläufe) erarbeitet wird. Unter aerob versteht man die Energiebereitstellung im Muskel unter Zuhilfenahme von Luftsauerstoff, im Gegensatz zu anaeroben Energiebereitstellung, bei der ausschließlich im Muskel gebundener Sauerstoff verwendet wird. Um ein Schlittenhundegespann langsam zu trainieren bleibt als Mittel der Wahl zuerst nur Bremsen! Eine gute Kontrolle, das eine bestimmte Geschwindigkeit nicht überschritten wird ermöglicht hier ein Tachometer. Nun kann mit zusätzlichen Intervalläufen, Bergtraining, aber auch Erholungsläufen die Kraftausdauer und Fähigkeit hohe Geschwindigkeiten zu laufen erarbeitet werden (d.h. die anaeroben Fähigkeiten werden sukzessive aufgebaut). Hierbei sollte man sich vor Augen halten, daß wir uns selbst im Sprint weitestgehend im Bereich der aeroben Energiebereitstellung befinden. Diese Art zu trainieren findet also in weiten Bereichen mit geringerer Geschwindigkeit statt als die angestrebte Renngeschwindigkeit, manchmal aber auch mit höherer! Die Anpassung an die schlußendlich zu erwartende Leistung ( Rennen, Tour) kommt somit erst kurz vor der Beanspruchung, sozusagen als Feinschliff. Werfen wir noch einmal einen Blick auf die klassische Methode Schlittenhunde zu trainieren: In seiner extremen Form wird das Team permanent unter wettbewerbsähnlichen Bedingungen trainiert. Dies bedeutet aber permanenten Stress, auch für die besten Hunde. Hunde die verletzt sind, nicht so schnell aufbauen, fallen heraus, nicht ohne zuvor an ihre psychischen und physischen Grenzen gelangt zu sein. Ein großer Teil der Hunde zu Trainingsbeginn erreicht die Wettkämpfe nicht. Im Gegensatz dazu besteht bei der variablen Trainingsgestaltung durch die geringeren Geschwindigkeiten, den Erholungsphasen ein wesentlich geringerer Stress, schwächere Hunde , verletzte Hunde können aufgebaut werden (die Erholungsphasen in den Intervalläufen werden so lange gestaltet bis alle Hunde erholt sind). Eine ganze Reihe weiterer Vorteile spricht für diese Art von Training:
Bevor wir die einzelnen Trainingsparameter im Detail besprechen, skizzieren wir noch einmal den Eingangs erwähnten Fall wie er sich abspielen könnte: Zuerst einmal hört man nichts, beim Ansichtigwerden der Fußgänger verlangsamt das Team bis auf Schrittempo, mit einem freundlichen Gruß spricht man selbige an, bleibt evtl. stehen für einen kurzen Plausch, bevor man wieder weiterfährt. Dies läßt sich hervorragend in ein Intervalltraining integrieren, und schlußendlich endet dieser Vorgang für beide Parteien in einer angenehmen Atmosphäre! Trainingsmittel für die Gestaltung eines abwechslungsreichen Trainingsprogramms Zuerst die traditionelle Form des Hundetrainings = rennspezifisches Training: Absolvierung der Trainingsstrecke mit voller Teamgröße im Renntempo (= 30 - 35 km/h), die Streckenlänge wird dem Leistungsvermögen angepaßt. Oftmals bleibt man bis zum ersten Rennen bei max. 80% der Renndistanz, um die Hunde "motiviert" zu halten. In dem nun vorgeschlagenen Trainingsprogramm spielt diese Methode nur eine untergeordnete Rolle, als Test vor einem Rennen allenfalls. Bestandteile eines umfassenden Traingsprogramms sind folgende Komponenten: (Die Teamgröße bleibt (auch beim offenen) Team bei max. 8 - 10 Hunden!) Ausdauerlauf: 80 -90 % der Renngeschwindigkeit
(25 - 29 km/h), Streckenlänge entspricht dem aktuellen Leistungsstand
der Hunde, wie beim rennspezifischen Training Variable Sprintintervalle:Wechsel von Passagen
mit hoher Geschwindigkeit (30 -35 km/h) und niederer Geschwindigkeit
(15 - 20 km/h). Man macht ca. 6 - 15 Wechsel pro Lauf, der in etwa
75 % der Strecke des Ausdauerlaufes betragen sollte, die Intervalle
sind flexibel zu gestalten, um feste Gewohnheiten zu verhindern. Man
erreicht dabei eine aerobe und anaerobe Konditionierung. Sprintintervalläufe: Läufe mit Höchstgeschwindigkeit
(32-35 km/h) unterbrochen von Stops (Regenerationsphasen). Die Dauer
der Sprintintervalle liegt dabe im Bereich von 1 Minute, die Regerationsphase
min. 2 Minuten. 10 - 12 Wiederholungen pro Lauf sind genug. Bildung
von Sprintkapazität (anaerober Bereich) und "peak-out" vor
Rennen. Erholungsläufe: Training ähnlich der variablen
Sprintintervalle, wobei die langsamen Phasen die Überhand haben auf
etwa 75 % der momentanen Länge des Ausdauerlaufes. Bei der Gestaltung des Trainigsplans sollte darauf geachtet werden, daß pro Trainingswoche der Intervallanteil nur 50%, der Erholungs - und Ausdauerteil ebenfalls 50% beträgt. Übers Jahr gesehen gibt sich dann ein Trainingsplan, der wie folgt aussehen könnte: Vorbereitungsphase 1: August bis September Vorbereitungsphase 2: Oktober bis November Wettkampfphase 1: Dezember bis Januar Wettkampfphase 2: Februar bis März Regenerationsphase: April bis Juni Jeder Musher muß sich nun selbst nach seinen Zielen einen Trainingsplan erstellen.
Einige Anmerkungen zur Durchführung Es mag gerade für die Sprintmusher erstaunlich sein,
langsam zu trainieren. Doch der Trainingseffekt ist folgender: Wie bekomme ich nun die Hunde langsamer? Zum Abschluß möchte ich hier einen Traingstag skizzieren wie er mit meinem Team 3 Wochen vor Beginn des Alpentrails absolviert wurde: Dat. 31.12.96, Temp. - 15°C, klar, windstill, Streckenlänge
21,5 km, Höhendiff. 650 m 2x 0,5 km Galopp mit 2´Pause 1,0 km auslaufen (leichter Galopp) Literatur: Mushing Nr.41 |
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