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1. Alpentrail 1996

2. Die Eisfahrt - Memorial Dr. Vaclav Vojtecha 1990

3. V. Memorial Dr. Vaclav Vojtecha 1991

4. Beringia - Avacha 300 1994

5. Alpentrail 2000 von Michael Tetzner

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Alpentrail 1996

Vom 24.2. bis 2.3.96 fand im Pustertal/Italien die erste Auflage des Alpentrail statt. Dieser führte in 6 Etappen über insg. 240 km auf herrlich präparierten Trails durch die Dolomiten. Der Wettergott meinte es gut mit den Mushern und so bekam man nach den schweißtreibenden Anstiegen, wie zum Beispiel auf die 2000 m hoch gelegene Nemesalpe bei Sexten, seinen wohlverdienten Lohn in Form einer traumhaften Aussicht. Die anschließenden Abfahrten ließen keine Langeweile aufkommen und stellten hohe Ansprüche an die Fahrtechnik der Musher.

Das Rennen war beispielhaft organisiert und an kritischen Stellen waren immer ausreichend Helfer vorhanden um Mushern mit Problemen beizustehen.

Über 30 Musher aus ganz Europa und Übersee gaben ihr Stelldichein, darunter die absoluten Topmusher über diese Distanz: Tim White (USA), mehrmaliger Gewinner des Alpirods, Albert Henrot, Belgiens Top-Musher, Lutz Binzer (D), Europameister der Mitteldistanz, Hans Bos, Hollands Top-Musher und mehrfacher Alpirod-Teilnehmer und Dodo Perri, Italiens erfolgreichster Musher. Wie Binzer, Bos und Henrot ist auch er Mitglied des Royal Canin International Teams.

Unter sehr ungünstigen Umständen ging der Frauenauer Thomas Gut in der 12 Hundeklasse in diesem Spitzenfeld an den Start. Sein Hundetransporter bekam kurz vor der Abfahrt zum Rennen einen Motorschaden und konnte nicht mehr rechtzeitig instand gesetzt werden. Schnell wurde ein Transportanhänger organisiert. Doch auch für seine Frau mit den zurückgebliebenen Hunden mußte ein weiterer Hundetransporter samt Ersatzfahrzeug geliehen werden. Eine beispielhafte Zusammenarbeit der niederbayrischen Musher. An dieser Stelle einen herzlichen Dank an alle, die mir eine Rennteilnahme trotz all der widrigen Umstände ermöglicht haben.

Die erste Etappe in Antholz (eine Nachtetappe), zeigte gleich wo es lang ging. Steil windet sich der Trail die 20 km zum Antholzer See, dabei wurde es den Mushern trotz - 25° Grad ordentlich warm. Doch bereits bei km 15 hatte Thomas Gut in einer engen Kurve auf einmal nur noch den Handgriff des Schlittens in den Händen. Die Hunde blieben auf Zuruf stehen und warteten auf Ihren Musher. Allerdings mußte er die restlichen 25 km, großteil davon in steiler Bergabfahrt mit vielen engen Kehren mit dem gebrochenen Schlitten bewältigen, konnte aber trotzdem noch den 8. Platz erreichen.
Schön die Kameradschaft und Hilfsbereitschaft unter den teilnehmenden Mushern. Ein Ersatzschlitten wurde gerne und ohne viel Aufhebens zur Verfügung gestellt.
Nach den Anfangsschwierigkeiten gings bergauf. In der 2. Etappe noch vorsichtig mit dem neuen Schlitten agierend, kam in der 3. und 4. Etappe der große Sprung nach vorne. Auf der sehr bergigen Strecke von Niederndorf arbeitete sich Thomas Gut mit einem 3. und 4. Etappenplatz bis auf den 5. Gesamtplatz vor. Nunmehr nur noch 4 Min. hinter dem 4. plazierten Hans Bos. In Sexten dann das Finale. Eine harte Piste führte in steilen Serpentinen mit 800 Höhenmetern auf die Nemesalpe, zum Kreuzbergpaß und in weitem auf und ab zurück. Hier konnte Thomas Gut nochmals 2 Min. auf Hans Bos gutmachen. In der 6. und damit letzten Etappe gaben alle nochmals ihr Bestes und T. Gut und H. Bos kamen mit fast der gleichen Zeit ins Ziel. Fürwahr ein spannendes Rennen. Mit inges. 10 Std. und 10 Min. ein fünfter Platz in der Gesamtwertung und damit zweitbester Deutscher festigten den Platz von Thomas Gut in der Europäischen Spitze. Für ihn eine weitere Bestätigung für seine intensive Arbeit mit seinen Lieblingen. Für Moa, seiner 8-jährigen Leithündin, sein ganzer Stolz, ein weiterer Erfolg in derer 6-jährigen Karriere, in der Sie in allen Rennen das Team anführte. Das Erfolgsrezept - Vertrauen. Das Team, bis auf zwei Hunde, alles Eigenzucht. Beinahe ein Familienausflug für Moa mit Ihren Nachkommen.

Am Ende fehlten 2.20 Minuten auf den 4. Platz von Hans Bos, nicht viel nach 240 km. Tim White gewann vor Lutz Binzer und Albert Henrot.
In der 8-Hundeklasse gewann sehr deutlich Gerhard Offer (A). Über eine Stunde Vorsprung hatte er vor dem zweitplazierten Volker Brinkmann (D). Gerhard Offer wäre mit dieser Leistung auch in der offenen Klasse auf einen der vorderen Plätze gefahren.
Herausragend trotz allem sportlichem Ehrgeiz war das Zusammenwachsen der Musher zu einer Gruppe. Auch die Vertreter der reinrassigen Szene fühlten sich wohl in der freundlichen Atmospähre. Hier zählte der Sport. Hilfsbereitschaft und Kameradschaft dominierten über übertriebenen Ehrgeiz und der Frage ob reinrassig oder nicht.

Viel Spaß hatten die Musher auch mit dem 5-jährigen Franzi Gut, der es sich nicht nehmen ließ, seinen Vater auf dieser langen Reise zu begleiten. Er war das Maskottchen des Fahrerlagers und sorgte mit seiner unbekümmerten Art überall für Heiterkeit.

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Die Eisfahrt - Dr. Vaclav Vojtech-Memorial

von Ivan Kobr(t) und Thomas Gut, ©1994

Ein besonderes Mitteldistanzrennen existiert seit 1986 im Riesengebirge in der tschechischen Republik. 1991 konnte ich als erster Deutscher an diesem Rennen teilnehmen. In seiner modifizierten Form ist das Dr. Vaclav Voitech Memorial-Rennen ein Muß für jeden engagierten MD-Fahrer. Nachfolgend ein Bericht von Ivan Kobr über die Geschichte und Entwicklung des Rennens.

Im Jahre 1928 führte Admiral Richard E. Bird eine amerikanische Expedition zum Südpol. Dank seinem festen Willen und Ausdauer gelang es Dr. V. Vojtech ein Expeditionsmitglied zu werden. Er war der erste Tscheche, der in der Antarktis stand.

Die Expedition baute die Basis "Klein Amerika" auf, lud die Vorräte aus und ein Teil der Mannschaft verbrachte hier die Polarnacht.

Die ganze Anstrengung wurde durch einen Erfolg gekrönt - als Admiral Byrd am 25.11.1929 den Südpol überflog. Die aktiven Expeditionsteilnehmer, darunter auch Dr. V. Vojtech, bekamen für Ihre Teilnahme eine Goldmedaille vom amerikanischen Kongress.

Innerhalb der Expeditionszeit trainierte Dr. V. Vojtech regelmäßig und in Neuseeland bereitete er auch die Schlittenhunde für die Materialbeförderung vor. Bei dieser Arbeit fiel ihm ein, die Schlittenhunde auch für die Arbeit im tschechischen Gebirge zu benutzen. Leider kam es nicht zur Realisation seiner Pläne. Er kam tragisch bei einer harmlosen Kanufahrt auf der Elbe bei Ladska am 6.8.1932 ums Leben.

Ihm zu Ehren und Andenken wird ein Etappenrennen mit Hundegespannen im Riesengebirge organisiert, das eine partielle Erfüllung seines Traumes sein sollte.

Dieses einzigartige Etappenrennen wurde zum ersten Mal im März 1986 gefahren. Neun 2-Mann-Teams mit Hunden starteten auf eine 8o km lange, nicht eingerichtete Strecke. Die Orientierung - der Karte nach. Die Hauptorganisatoren - Petr Hanzlik, Ivan Kobr und Jan Chlum - nahmen dabei selbstverständlich auch teil. Weitere Organisatoren - nur zwei, einer am Start, einer am Ziel. Wenn richtige Kerle kämpfen, reicht es aus. Die Strecke dieses ersten Wettkampfes war fantastisch, weil sie auf den Riesengebirgskämmen entlang führte. Die Teilnehmer mußten schwierige Steigungen, Traversen und steile Abfahrten überwinden. Nirgendwo Hilfe. Die Teams mußten absolut selbständig sein, auch im Falle eines Unfalls, Schlittenpanne, Verletzung eines Hundes, einer Irrfahrt. Kein Einkaufen von Nahrung in den Bauden, Übernachtung im eigenen Zelt oder Biwak. Es passierte auch, daß einige Teams nach einem schwierigen Biwak so durchgefroren waren, daß sie das Rennen aufgegeben haben.

Nach einem Verbot der Nationalparksverwaltung des Riesengebirges Wettkämpfe jeder Art auf den Riesengebirgskämmen zu organisieren, mußte man dann leider die Strecke ändern - und so wurde das Rennen in die niedrigeren Partien des Riesengebirges verlegt. Man suchte neue Strecken und Plätze zum Biwakieren.

Erste Ausländer nehmen an dem Wettkampf teil. Als erster Deutscher kommt Thomas Gut aus dem Bayrischen Wald und gibt gute Ratschläge wie wir den Wettkampf besser vorbereiten und organisieren können.

Auch verbessern sich die Bedingungen für die Organisatoren. Man findet erste Sponsoren und im begrenzten Maße auch die Möglichkeit bei Bearbeitung von einigen Teilen der Gesamstrecke die Technik zu nutzen. Einige Teile der Strecke sind sogar markiert. Das tschechische Fernsehen macht einen Film über das Rennen. Aber eins wollen die Organisatoren halten: die 2-Mann-Teams und absolute Selbstständigkeit beim ganzen Rennen.

Der Musher fährt mit 6 - 10 Hunden, auf dem Schlitten hat er eine Pflichtausrüstung: Zelt, Schlafsack, Kocher, Nahrung, Hundefutter, Stake-Out. Der Zweite des Teams läuft mit Langlaufskiern mit. Er darf sich an einer Leine vom Schlitten mitziehen lassen, bei der Abfahrt darf er vor dem Gespann fahren, auf den gefährlichen Streckenteilen kann er mit dem Musher auf dem Schlitten fahren, ihm aber bei Hindernissen der Strecke zu helfen (ein gefallener Baum, ein Bach, zu scharfe Kurven, Überfahrt einer Landstraße oder die Spur austreten) ist nicht erlaubt.

>Die Strecke des 7. Memorials führte im Ostteil des Riesengebirges. Start in Zacler, dann Richtung Horni Mala Upa - Spaleny Mljn - Jana Baude - Velka Upa - Javori dul zur Kolinska Baude (etwa 35 km). Hier wurde biwakiert. Die zweite Etappe wurde ohne Pflichtausrüstung gefahren, denn die Teilnehmer kamen zur Kolinska Baude zurück, wo sie auch wieder die Nacht verbrachten. Die Strecke führte auf einer Bergstraße zur Predny Rennerovky - Westhang von Lisci hora - Tetrevi Baude - Lesni Baude- wieder zur Kolinska Baude zurück ( 27 km ). Die dritte Etappe wieder auf ein wenig geänderter Strecke nach Zacler zurück. Insgesamt 97 km auf bergreicher Strecke. Die selbe Strecke ist auch für das Rennen 1995 geplant.

Unserer Erfahrung nach hängt der Verlauf und die Ergebnisse vom Rennen vom Wetter und den Schneeverhältnissen ab. Bei neuem Schnee, Wind oder Nebel ist der Wettkampf physisch und psychisch sehr anspruchsvoll. Bei gutem Wetter, wie es auch dieses Jahr der Fall war ( -12 C, klar, windlos) ist es ein schönes und erregendes Erlebnis.

Weil zur Zeit das Schlittenhundefahren im Nationalparkgebiet des Riesengebirges verboten ist, und das Rennen nur mit einer Bewilligung der Nationalparksverwaltung durchzuführen ist, ist die Teilnehmerzahl leider auf 20 Hundegespanne limitiert. Im Jahr 1995 können 14 Einheimische und 6 Ausländische Teilnehmer starten.

Herausragend bei diesem Rennen sind nach wie vor die landschaftlichen Eindrücke und die kameradschaftliche Atmosphäre.

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V. Memorial Dr. Vaclav Vojtecha

vom 8. - 10.3.91 im Riesengebirge (Tschechien)

Dieses Jahr sollte es endlich stattfinden, die fünfte Auflage des Gedächtnisrennen zu Ehren des tschechischen Antarktisforschers Dr. Václava Vojtécha. Vergangenes Jahr war dieses Rennen wegen Schneemangel abgesagt worden. Dieses Jahr lag genügend Schnee, um das Rennen durchzuführen, wenn auch mit geänderter Streckenführung.

Dieses Rennen erfolgt nach amerikanischem Vorbild im Expeditionsstil: Jedes Team besteht aus mindestens 5 Hunden, sowie 2 Personen, Diese auf den ersten Blick absurde Regel bietet allerdings für den Musher eine große Hilfe: der Händler ist immer dabei. Warum soll der Händler auch immer tatenlos stundenlang in der Kälte auf seinen Musher warten? Nun, hier also die Gelegenheit sich sportlich zu betätigen. Aber auch der Musher soll nicht zu kurz kommen das Rennen geht immer munter auf und ab durch das ganze Riesengebirge, keine Möglichkeit also auf den Kufen vor sich hin zu dösen.

Diese Rennen, auch Eisrennen, genannt, geht über ca. 100 km; aufgeteilt in 3 Etappen. Das komplette Material (Essen, Zelt, Hundefutter, Stake-Out, Reserveski,.....) muß auf dem Schlitten mitgeführt werden. Der Händler begleitet i.d.R. als Langläufer; durch eine Leine mit dem Schlitten verbunden. So läßt sich am effektivsten zusammenarbeiten. Der Trail wird nicht präpariert und abgesperrt; man muß also mit allem rechnen. Die Strecke führt über Loipen, Skipisten und unberührte Waldwege. Auch einige lange Hangquerungen gilt es zu meistern. Um die Teams an Abkürzungen zu hindern, müssen Checkpoints angefahren werden. Die Orientierung geschieht mittels einer vor dem Start ausgehändigten Karte von ausreichender Qualität. Etwas Spürsinn und absolute Teamkontrolle sind daher Voraussetzung für ein finishen.

Da unterwegs jede Menge Gaststätten den Weg queren und auch die Übernachtungsplätze in unmittelbarer Näher solchiger angelegt sind, läge es nahe statt schwerem Gepäck etwas Kleingeld..... Aber auch an das wurde gedacht - schlichtweg verboten, bis auf eine Kleinigkeit - alkoholische Getränke!

>Nun ich werde das Rennen dieses Jahr mit Ivan Kobr bestreiten. Er stammt aus dieser Gegend und hat bereits Mehrmals an diesem Rennen teilgenommen. Somit dürfte das Orientierungsproblem für mich wegfallen.

Aber auch diese Jahr macht die warme Witterung den Veranstaltern Probleme. Kurzerhand wir umdisponiert. Ausgehend von einem Basislager in einem malerischen Steinbruch ca. 500m von der Straße entfernt werden 3 Tagesetappen mit folglich reduziertem Gepäck gefahren (freudiges Strahlen in den Hundeäuglein). Die Gesamtstrecke blieb gleich.

8. März, 10.°° Uhr, Start

Zuerst müssen die Teams 300m aus dem Steinbruch zum Start geführt werden. Gestartet wird in 5-Minutenabständen. Ich habe Startnummer 2. Josef Strako und Milan Malisik haben soeben mit einem 6er-Team aus weißen Tschechischen Cuvac die Startlinie hinter sich gelassen. Zuerst geht es munter bergab, doch dann der erste längere anstieg. Es ist frühlingshaft warm, neblig und der Trail neben einer Raupenspur ekelhaft tief. Immer wieder bricht einer meiner Hunde ein. Ein Spiel, das sich die ganze Strecke wiederholen wird. Endlich der erste Checkpoint, 45 Minuten für knapp 10 km. Wir sind allein auf weiter Flur. Strakos hat irgendwo aufgegeben und ist umgekehrt. Skipisten, hügeliges Gelände, eine Abfahrt über Eisplatten, 4 km Anstieg - aus dem Nebel taucht ein Offizieller auf; Checkpoint 2. Im dichtem Nebel weist er uns vom Weg ab bergauf ins weiße Nichts. Eine hübsch steile Buckelpiste geht’s da hoch. Wenn nur nicht der Schlitten nach hinten umkippt. Die Skifahrer die uns umwedeln spüren indes nicht unsere sorgen und kommen den Hunden verdächtig nahe; aber es geht alles gut. Gottseidank geht die Strecke morgen andersherum. Aber es schenkt sich nichts. Auch heute geht’s zünftig bergab - auf den Skipisten ist der Schnee wenigstens fest. Doch nur kurz ist unsere Freude, der nächste Anstieg steht bevor. Doch hier war vor uns noch niemand. Spuren bis zu den Ohren. Teilweise bricht der Schlitten bis zur Ladefläche ein, mithelfen ist fast aussichtslos, denn man versinkt sofort bis zur Hüfte in diesem grundlosen Schneesumpf. 3-4 km quälen wir uns vorwärts. Die folgenden Teams werden sich hübsch freuen über unseren Graben. Moa hat die Schnauze voll und Karl II., auch Kalli genannt, darf Leader spielen. Endlich kommen wir wieder auf eine „befahrene" Straße. Jetzt geht wieder was. Eine kurze Waldabfahrt - und wieder haben wir einen Checkpoint erreicht. Die Wege werden wieder besser. Wo wohl die anderen sind? 17 Teams waren gemeldet, 9 am Start. Die deutschen und holländischen Teilnehmer haben komplett abgesagt. Es hat wohl keiner geglaubt, daß hier soviel Schnee liegt. Noch einmal übler Bruchharsch - jetzt haben wir bald alle Schneesorten durch - nächster Checkpoint. Noch einmal Tee und Kekse unter der Fahrt. Ivan und wir harmonisieren gut. Unterdessen geht’s die letzten Kilometer ins, ins Ziel. 4 Stunden, 47 Minuten. Als zweiter kommen Radko Loucka und Ivan Rasin mit Ihren 6 Cesky Horsky ins Ziel. Es ist immer wieder erstaunlich, wie diszipliniert diese Hunde sind. Bei uns kaum vorstellbar, daß 6- oder 8-Hundeteams sich so durch das Stake-out Gelände manövrieren lassen.

Wir entfachen ein Lagerfeuer und schmelzen Schnee für uns und unsere Hunde. Langsam wird das nasse Zeug klamm und wir sind froh über die Wärme am Feuer. Bis auf zwei Teams sind alle im Ziel, und es wird dunkel. Wo die bloß bleiben? Aber die Konkurrenten sind unbesorgt. Bei dieser Vielzahl von Gaststätten sei noch niemals jemand verloren gegangen.

43 km waren es heute und ca. 1800 Höhenmeter. Erste Anzeichen von Müdigkeit werden mit Rum im Tee bekämpft, spät in der Nacht in die Kneipe um die Konkurrenz zu kontrollieren. Jeder Kaffee, jeder Tee auf Alkohol geprüft. Schon mancher Musher soll über diese Hürde gestolpert sein. Spätabends kehren wir in die Zelte zurück.

>Morgen wird umgekehrt gestartet, der letzte zuerst. Die Strecke wurde verkürzt, die letzte übelste Schleife gestrichen. Also nur 35 km bei 1400 Höhenmetern. Schon beim ersten Checkpoint haben wir die ersten eingeholt. Nur noch 6 Teams sind im Rennen. Die beiden verschollenen von gestern wurden wegen Zeitüberschreitung aus dem Rennen genommen.

Das Buckelpistenfahren mit dem Schlitten macht richtig Spaß, fast wie snowboarden. Nach 3 Stunden 45 Minuten sind wir am Ziel.

Hervorzuheben ist die Kameradschaft unter den Teilnehmern, kein Neid, keine bösen Worte, keine Arroganz. Dafür gemütliches Zusammensein, trotz aller Sprachbarrieren.

Heute haben sich Daniel Filo und Sascha Lilge mit seinen 7 Tschechischen Wolfshunden auf den zweiten Platz geschoben. Sehr schöne Hunde mit einem sehr eleganten Laufstil, leider etwas aggressiv. Obwohl es auch hier, wie bei allen anderen Teams keinerlei Probleme beim überholen gab. Fast jedes Team fährt mit einer anderen Hunderasse:Cuvac, Cesky Horsky, Wolfshunde, Sibiriens und meine Alaskans.

Am letzten Tag sind nur noch 12 km zu fahren: zuerst 6km bergauf, dann logischerweise wieder 6 km bergab. Sprint also, oder? Nach dem 1. Checkpoint wieder eine dieser elendigen Querungen. Die Schulter fast im Schnee surft man auf einer Kufe und hofft, daß die Hunde nicht den Hang hinab den Skispuren folgen. Da liege ich auch schon und spiele Schneeanker, welcher lediglich das Team zum Halten bringt. So schnell kann man seine Hunde verlieren, aber es ging ja noch mal gut. Jetzt nur noch bergab. Radko Loucka taucht auf, er hat gestern seinen zweiten Platz verloren und liegt auf Rang 4. Es wird wohl schwer sein für Ihn noch etwas zu ändern. Da taucht Rennleiter Jan Chlum auf und unterbricht die flotte Talfahrt. Links hinab ins Gebüsch signalisiert er. Teufel ein schönes Finale. Ich seh mich schon am Baum hängen, aber ich kann mich nicht entscheiden, es sind so viele da. Wir kommen am Parkplatz heraus; da ist auch mein VW-Bus. Aber welche Enttäuschung für die Hunde, es geht noch 1km bergauf ins Ziel. Geschafft. Ivan kann keine Langlaufski mehr sehen. Der weiche Schnee hat allen sehr zu schaffen gemacht.

Alles in allem ein fantastisches, abwechslungsreiches Rennen, daß hoffentlich in seinem Charakter lange erhalten bleibt. Lediglich Orientierungshilfen wird es nächstes Jahr geben, um auch nichttschechischen Mushern das Zurechtfinden bei Krakonos (Rübezahl) zu erleichtern.

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Beringia 1994 - Avacha 300

Schlittenhunderennen jenseits von Sibirien

 

Beringia - Land an der Beringstraße - Land Tschuktschen, Korjaken, Ewenen und Itelmenen - Land der Schlittenhunde. Vor langer Zeit einmal verbunden mit dem alskanischen Festland, heute getrennt durch eine Wasserstrasse, die nach ihrem Entdecker Vitus Bering benannt ist. Dieser Bering suchte 1741 von Petropawlowsk
( nach seinen beiden Schiffen Petr und Pawl benannt) aus das alaskanische Festland.

Petropawlowsk - an einem herrvoragend geschützten natürlichen Hafen, der Avacha - bucht gelegen. Dominiert von den beiden Vulkanen Koryaksky (3456m) und Avacha (2741m). Letzterer ist ein ideal gebauter, sehr aktiver Vulkan. Stützpunkt der russischen Atom-U-Boot Flotte. Heimat für 3/4 der kamtschatkischen Bevölkerung (450.000 Einwohner). Start und Ziel des 300 Kilometer langen "Avacha 300" Rennens, dem Beringia 1994.

20. März 1994

21:30 Moskauer Zeit. Die illuschin 62, der russische Airbus startet in die Nacht. Gedrängt wie die Sardinen sitzen wir an Bord: Karl Habermann und Frau Liane aus Berlin und ich, Thomas Gut. Im Begleitgepäck: 15 Schlittenhunde nebst Schlitten und allem was dazugehört. Unterwegs zum Schlittenhunderennen "Avacha 300" in Kamtschatka. Bayer und Preusse, Ossi und Wessi, reinrassig und offen, zusammen in einem Boot, besser gesagt: Jet. Ob das wohl gutgeht?

Als erste Europäer nehmen wir die Möglichkeit wahr, an einem Schlittenhunderennen in Sibirien teilzunehemn. Die größten Probleme unserer Expedition haben wir bereits bewältigt. Wie durch ein Wunder brachten wir alles Gepäck an Bord des Minifliegers von Berlin-Schönefeld nach Moskau. Vielen Dank der
hilfsbereiten Aeroflotmannschaft, ohne die wir die Expedition gar nicht durchführen hätten können.

Schon in Scheremetjewo II stellte sich die Zolldame stur und schloß fix ihren Schalter, "Njet", ohne wieso und warum und schon guckten wir zwei Musher ganz schön dumm aus der Wäsche. In Ermangelung helfender Personen der Rennorganisation oder des Sponsors (wie versprochen!) erbarmte sich ein zufällig des Weges kommender deutscher Arzt unserer Expedition.

Der Taxichauffeur meines Reiseveranstalters Troika-Reisen hingegen gestaltete den 80 Kilometer langen Transport von Scheremetjewo II nach Domodedowo, einem der Moskauer Inlandsflughäfen, völlig problemlos. Als Fremder in Moskau ohne Helfer vor Ort mit einer halben Tonne Gepäck - chancenlos durch das bürokratische Chaos zu kommen. Zusammen bewältigen wir die Moskauer "Sümpfe". Doch in Domodedowo konnten selbst unserer Freunde nur noch das größte Übel abwenden. Nach der Intouristpassage öffnet sich dem westlichen Besucher eine autarke Zone, ein Territorium ohne Gesetze (insbesondere nachts). Gebrandmarkt als Wessi und zudem mit störrischem Gepäck - ein willkommener Devisenlieferant. Bezahlte Tickets erscheinen uninteressant - allein das Schmiergeld zählt. Oder sind das festgelegte Tarife? Eine Preisliste jedenfalls wurde uns nicht überreicht, stattdessen einige kleinere Nachzahlungen verlangt, bis unsere Hunde samt Gepäck endlich verstaut wurden und wir um einige hundert Dollars erleichtert Platz nehmen durften.

Die zehn Stunden Aufenthalt in Moskau zerrinnen wie im Flug. Noch ein Flug durch neun Zeitzonen und wir werden das Ziel unserer Träume erreichen - Petropawlowsk-Kamtschatski. Mit uns an Bord noch ein weiterer Deutscher, Alexander Krebs-Gehlen, ein guter Freund des Rennorganisators Alexander Pechen. Er wird einen Teil des Rennens auf Skiern bestreiten.

Bereits 1992 hatte ich eine Einladung zu dem damals längsten Schlittenhunderennen der Welt. 2044 Kilometer von Esso nach Markovo, was den Eintrag ins Guiness-Buch der Rekorde brachte. Doch war die Zeit zu knapp, um alles organisieren zu können. 1993 dann durch die Wirtschaftskrise und Inflation nur ein Sprintrennen. Jetzt ein 300 Kilometer Rennen um die Vulkane Petropawlowsk. 300 km in sieben Etappen, eine einladende Variante für europäische Musher. Die Vorstellung des Rennens auf K.H. Raubuchs Schlittenhundemesse in Schwalbach vom extra angereisten Alexander Pechen rief denn auch zunächst breite Begeisterung hervor. Die profitgierigen Aktionen einiger Leute danach ließen die Teilnahme deutscher Musher beinahe scheitern, verteuerten sie zumindest massiv. sicherlich etwas was man schnell vergessen sollte. Karl und ich mußten tief in die eigene Tasche greifen und nur dank gutmütiger Freunde konnten wir das nötige "Kleingeld" zusammenkratzen.

Und dann das zunächst sperrende Verhalten der Aeroflot, Bangen und Hoffen, vier Tage vor dem Start sieht alles nach Scheitern aus. Doch eine Blitzaktion der Troikareisen GmbH machts das Unmögliche möglich. Auch die Aeroflot unterstützte uns so gut es ging. Schnell noch Flugboxen besorgen. Doch wo sind sie alle hingekommen? Waren im Winter noch zahlreiche Boxen zu sehen, so sind sie jetzt wohl bei vielen Mushern nicht mehr aufzufinden!? Frau Lüber kümmert sich uneermüdlich, doch wohnt sie einfach zu weit weg. Ebenso Lutz Binzer. Am Abend vor dem Abflug habe ich sie dann alle beisammen. Vielen Dank Michael und Michaela Tempel, Jutta und Walter Frank, Bernd Brandl, Josef Rinkl und Fam. Kriegler, bei denen ich sehr freundlich aufgenommen wurde. Jan Ölker, Autor des letzten Beringia Berichts im Schlittenhund Magazin 5 und 6/92 kam noch nach Berlin und gab uns einige wertvolle Tips und Adressen.

Mit dem letzten deutschen Bier für zwei Wochen und langen Diskussionen bekämpfen wir bei Karl und Liane unser Lampenfieber bis in den frühen Morgen. Schon um 5:30 Uhr weckt Liane uns aus unseren Träumen. Und nun kündet ein roter Streifen bereits den nächsten Morgen an, nach nur zwei Stunden Dunkelheit.

15:30 Uhr Petropawlowsk Zeit landen wir auf Kamtschatka. Alexander Pechen und das Kamtschatka Fernsehteam empfangen uns und führen uns zu unserem Waldhotel, der Bleibe für die nächsten Tage.
Erste Interviews - man ist neugierig auf die Exoten aus dem Westen. das Hotel ist einfach und gemütlich und abends trifft man sich in Valentina´s Bar. Mit Stadtbummel und Futterbesorgen sowie etwas Training versuchen wir uns zu aklimatisieren. Hier am Hotel wird auch Start und Ziel des Rennens sein. Tausende von Kilometern könnte man ab hier fahren, ohne weitere Strassen oder Ortsberührung, theoretisch bis zum Nordpol. Diese Weite zu begreifen ist nicht so einfach. Kopfzerbrechen bereitet mir allerdings der Zustand meiner hunde. Da ich aus Kostengründen nur eine minimale Menge an Futter mitgebracht habe, müssen sich die Hunde auf Lachs und Walroßspeck umstellen, sowie etwas Rinderhack. Der Erfolg ist, wie zu erwarten, eine längere Periode mit Blähungen und Durchfall. Eine Woche früher könnte man das wohl in den Griff bekommen, aber so muß ich mit matten Hunden ins Rennen gehen, keine erfreulichen Aussichten.

26.März 1994

10.00 Uhr "30 minuti na Start", unvergessen wird uns der Spruch des Chefzeitnehmers Sergej bleiben. Mit unerbittlicher Strenge dirigiert er die Hundeteams an den Start, wo sie sich wie eine Perlenkette aufreihen, ein wahrlich schöner Anblick. Nur für meine Hunde ungewohnt. Aufgrund der Sommerzeitumstellung wird der Start verschoben. Nochmals 30 Minuten warten. Meine Hunde drehen langsam durch, die Korjaken gehen derweil frühstücken. friedlich liegen die Korjakenhunde vor ihren Schlitten und lassen sich durch nichts aus der Ruhe bringen. Endlich kommen sie wieder die Karjure, so heißen die Schlittenhundeführer hier.

Zehn Kilometer lang ist die Prologetappe von heute und dient der Festlegung der Startreihenfolge, sowie dem Vergnügen des sehr zahlreich erschienenen Publikums. Natürlich konnte sich Sponsor Pedigree Pal Moskau auch in Szene setzen. Mit der Startnummer 9 und sechs Hunden (für den Prolog limitiert) gehe ich ins Rennen und schon bald erreiche ich Nummer 8, Georgi Uwarow aus Karaga. "Chr,chr, chr (rechts)" und schon steht sein komplettes Team rechts vom Trail. Total überrascht genieße ich die freie Bahn. Meine Ängste vor den Überholmanövern mit Beißereien und Verwicklungen sind scheinbar unbegründet gewesen. So einfach hatte ich mir das nicht vorgestellt, vorbildlich. Ich überhole noch mehrere Teams auf die gleiche Art und WEise und genieße die Fahrt durch lichten Birkenwald auf sehr kurviger und anregender Strecke. Mit 25:35 Minuten komme ich ins Ziel. Ein deutlicher Vorsprung vor den anderen Teams - mit einer Ausnahme: Alexander Petrow, der Vorjahressieger aus Palana und Teilnehmer des langen Beringias von 1991 und 1992 ist mit 18 Skunden zweiter. Er fährt ebenfalls alaskan Huskies und der Rest mit den einheimischen kamtschatkischen Zughunden, einer ebenfalls registrierten Rasse.

Schier unmöglich fast, durch die begeisterten und interessierten Zuschauer zu kommen. Abends ein letztes Fest mit Alkohol, das eigentliche Rennen wird dann ohne auskommen. Eine rühmliche Entscheidung der Rennleitung, wenngleich ich als bayrischer Staatsbürger ohne Bier stark gehändicapt ins Rennen gehen muß.

27. März 1994

9:00 Uhr: Start zum Beringia 1994 - heute mit dem Maximum von acht Hunden. 65 Kilometer stehen zur Eingewöhnung an. Das Wetter ist wie die meiste Zeit des Rennens schön, obligatorisch der Wind. Auf anfangs fester Piste geht es flott voran, doch nach wenigen Kilometern kommt Unruhe ins Team. Einer nach dem anderen plagt sich mit der Scheißerei und bei Cola ist es so schlimm, daß ich sie aufladen muß. Kurz danach auch ihre Schwester. Das kann ja heiter werden. Trotzdem - hinter dem Birkenwald öffnet sich ein traumhafter Blick auf Koryaksky und Avacha Vulkan. Petrow überholt mich - eindeutig zu früh. Nicht einmal anhängen kann ich mich. Die Strecke beginnt bergig zu werden,. In stetem auf und ab queren wir die Ausläufer der Vulkane, wechselt fester mit windbrüchigem Trail, wechselt Begeisterung mit Frustration. Meine zwei Passagiere kommen wieder ins Team. Noch hat mich kein weiterer überholt. Meine Stimmung steigt wieder. Mit meinen neuen Tarbassas (Rentierfellstiefel der Korjaken), ein Geschenk Pechens, laufe ich wie ein Hase die steilen anstiege hinauf, auch die Hunde kommen wieder besser in Gang. Zeitweise kann ich sogar Petrow sehen, doch er ist uneinholbar in Front. Nach vier Stunden und 37 Minuten komme ich erschöpft ins Ziel. Neun Minuten hinter Petrow und zwei Minuten hinter Panjuchin. Karl liegt mit fünf Stunden 33 Minuten auf Rang sechs. Innerhalb der nächsten zwei Stunden kommen alle Kajuren ins Ziel ... Erstaunlich mit welchem Geschick die Korjaken auf ihren Schlitten sitzend die teilweise sehr engen Kurven manöverieren. Nur ein mit einer Eisenspitze bewehrter Stock dient als Ruder und Bremse, zum Blockieren des Schlittens wird er lediglich vor demselbigen in den Boden gerammt.Sind die Hunde ausgespannt, dient er gleichzeitig als Aufbewahrungsort für die Zugleine und die stets daran befestigten Geschirre. das Einspannen geht daher ruckzuck - Leitgeschirr anfassen, nach vorne laufen und Hund einspannen, sehr effektiv. Man merkt, daß diese Menschen stets mit ihren Hunden arbeiten. Die Schlitten selbst sind aus einheimischer Steinbirke in ansprechender Handarbeit gefertigt. Als Beläge dienen längsgeteilte Abwasserrohre, die einfach aufgenagelt werden. Einige Schlitten bieten jedoch schon die Möglichkeit darauf zu stehen, wie bei uns üblich. Besonders der Schlitten von Panteley Schmagin, dem siebten des heutigen Tages, besticht durch seine Ästhetik und wirkt trotz seiner Größe ziemlich elegant. Die auf den vorderen Rängen plazierten Musher benutzen allerding allesamt Schlitten wie wir sie kennen, wenn auch selbstgebaut - mit einem Unterschied - ihre Kufen sind durchweg breiter als die unsrigen. Ein Vorteil bei diesen Schneeverhältnissen, da sie dadurch nicht so schnell einsinken. Die Motorschlitten schaffen es trotz eifrigster Spurarbeit nicht, den windgepreßten Schnee zu verfestigen. Dies hat zur Folge, daß Hunde und Musher immer wieder in unregelmäßigen Abständen einbrechen. Ein Phänomen, das der Psyche der Leithunde und des Mushers ganz schön zusetzt. Wir verbringen die Nacht in gemütlich beheizten Hütten, die verstreut in einer idyllischen Waldlichtung nahe eines Flußes liegen.

28. März 1994

9.00 Uhr - heute geht es auf eine der Schlüsseletappen. 45 km lang und insgesamt mehr als 1300 Höhenmeter geht es über den 1160 Meter hohen Pinatschewskipaß. Wir starten invers, das heißt, der Tagessieger von gestern startet als letzter. Ich habe also meine beiden Konkurrenten im Nacken. Zu allem Überfluß wurden Sascha Petrow noch sechs Minuten gutgeschrieben, da er von einem der Buranski (Motorschlittenführe) fehl geleitet worden war. Glücklicherweise hatte dieser den Umweg "exakt" gestoppt.

Über hügeliges Gelände geht es zunächst auf breiter und guter Trasse flott dahin. Bis auf Karl habe ich bald alle Gespanne überholt. Dann das übliche, der Trail wird wieder brüchig, aus dem rhythmischen leichten Galopp wird ein unansehnliches Gestolpere. Endlich überhole ich auch Karl, doch er bleibt dran. Irgendwie ist der Dampf wieder raus, müde schleicht mein Team dahin. Die letzten Hütten erscheinen und damit ist auch die Baumgrenze erreicht. Noch fünf Kilometer bis zur Paßhöhe. Doch jetzt gehts erst erst richtig zur Sache. Immer steiler schlängelt sich der Trail in weiten Gräben bergan. Ich nehme meine Brecher Chubby und Kalli nach vorne. Rusty und Moa, die die ganze Saison mein Sprintteam führten sind demoralisiert. Karl, zwischenzeitlich wieder vor mir, hat auch Probleme, immer wieder bleiben seine Hunde stehen ... Dann ein Streckenposten, der auf die unglaublich steil wirkende Skidoospur nach rechts weist - dort hinauf?? Oh, oh! Karl versucht noch ein Überholmanöver, das aber nur zum Stillstand beider Teams führt. Familie Panjuchin überholt uns dafür und weiter unten trabt auch Petrow verdammt zügig heran. Endlich laufen sie wieder. Meter für Meter kämpfen wir uns bergauf. Immer steiler wird der Trail, der Weg hat den Schnee schon teilweise weggefegt, dafür Eisplatten hinterlassen. Mit meinen profillosen Tarbassas liefere ich des öfteren kleine Rutschpartien, die nicht unbedingt den Aufstieg erleichtern. Unermüdlich ziehen Chubby und Kalli das Team samt mir hinterher. Deutlich imer besser motiviert, so als ob sie das Ende der Strapazen erahnen würden. Sergej und Lena mit ihren "Kamtschatskie jesdowanie sobaka" (kamtschatkische Zughunderasse) verschwinden bereits hinter dem Kamm. Völlig ausgepumpt erreichen auch wir die Passhöhe. Karl versucht weiter unten seine Hunde auf Diretissimakurs zu halten. Die Mühe hat sich gelohnt. Vor uns breitet sich ein Panorama aus, das seinesgleichen sucht. Unendliche Weite, unzählige Bergketten mit herausragenden Vulkanen - der Wahnsinn. 900 Meter weiter unten das Tal mit dem Etappenziel.

Sergej und Lena Panjuchin rasen kaum noch erkennbar dem Ziel entgegen. Vor lauter Schauen und Staunen übersehe ich einen Felsbrocken, ein fürchterlicher Schlag - die Bügelbremse ist totalverbogen. Die Stütze des Handlebars ist in Höhe des Basket gebrochen, der Schlitten fährt sich seltsam wackelig. Doch meinen Hunden ist das egal. Urplötzlich geht ein Ruck durchs Team, sie laufen wieder. Ich könnte schreien vor Freude. Zwei Kilometer vor dem Ziel habe ich die Panjuchins eingeholt, nach 3.37 Stunden erreiche ich Natychevsky, die heißen Quellen. Drei Tage werden wir in diesem gemütlichen Hüttendorf verbringen. Petrow führt jetzt mit nur noch neun Minuten vor Sergej und 13 Minuten vor mir. Karl hat Wladimir heute über eine Stunde abgenommen und liegt auf Platz fünf. Zusammen mit Karl, Liane und den Panjuchins liege ich in einer der Hütten.Liane unser guter Engel hat bereits eingeheizt und sich um das Gepäck gekümmert. Tee und suppe für die Teilnehmer ist auch schon fertig. Alla, Petrows Frau arbeitet engagiert für das Wohl der Musher. Bis auf Bier fehlt es uns an nichts. Heu für die Hunde wird ebenfalls eingeflogen. Samarski, der Pilot mit über 26.000 Flugstunden setzt noch einige Fallschirmspringer ab. Ein Künstler unter den Piloten, er behandelt seinen schweren Transporthelikopter wie ein Kunstfluggerät. Derweil verteilen die Buranisky Hundefutter und anderes Gepäck. Besonders Alexander (in Rußland heißt wohl jeder Alexander), seines Zeichens Bärenjäger, besticht auf seiner schwarzen Yamaha durch ähnliche Eigenschaften wie Samarski mit seinem Hubschrauber. Panteley Schmagin, einer der Korjaken, betrachtet besorgt meinen Schlitten. Kurzerhand wird derselbige in die Hütte der Korjaken verfrachtet. Ein dickes Eisenblech wird in zeitraubender und schweißtreibender Arbeit bei Kerzenlicht mit einer altehrwürdigen ( man kann auch sagen altersschwachen) Eisensäge längsgeteilt. bis spät in die Nacht arbeiten wir, dann ist der Schlitten perfekt repariert.

29. März 1994

Das Wetter bleibt weiterhin traumhaft. Minus 15 Grad Celsius,, zwei Zentimeter Schnee, was will man mehr. Heute sind 40 Kilometre Rundkurs angesagt. Freudestrahlend registriere ich heute morgen den ersten festen Kot seit sechs Tagen bei meinemn Hunden. Alle sind aufgeweckt und munter, anscheinend haben sie den gestrigen Tag gut überstanden. Meine Stimmung steigt.

Gleich nach dem Start eine "heiße" Brücke im doppelten Sinne. Einmal ist sie wirklich heiß zu fahren und zum anderen führt sie über den von heißen Quellen gespeißten dampfenden Fluß. Solche schmankerl finden sich immer wieder während des Rennens. Der Trail ist hart und wie üblich ein sehr kurviger und hügeliger Birkenwaldslalom. Einige Sidehilling Passagen lassen den Adrenalinspiegel steigen. Die Trails werden nicht geschlagen, sondern folgen den naturgegebenen "Lücken" des Waldes. Zum Schlafen gänzlich ungeeignet. Heute läufts endlich mal so, wie ich mir das vorstelle. Einen Kilometer vor dem Ziel erreiche ich den zwei Minuten vor mir gestarteten Sascha Petrow. Eine etwas merkwürdige Variante der 800 Meter Zone erlaubt es aber nicht, ab einem Kilometer vor dem Ziel noch zu überholen. Eine Stunde und 53 Minuten, der Vorsprung von Petrow beträgt nur noch 11 Minuten und wir haben erst die Hälfte der Strecke hinter uns. Sergej verliert heute über eine Viertelstunde und Karl bekommt die Quittung für seinen gestrigen Superlauf. Nur mit Mühe bekommt er sein Team über die Runden und fällt auf den sechsten Gesamtplatz zurück. Auch Panteley ist Karl bis auf sieben Minuten aufgerückt. Es bleibt spannend. Entspannend jedoch das Bad in den heißen Quellen. Welche Wohltat! Eine Viertelstunde bei minus 15 Grad Celsius im Schnee liegen? Kein Problem, wenn man sich vorher ebensolange im 50 Grad heißen Wasser aufgeheizt hat.

30. März 1994

Da die Witterung bisher recht gut war und weiterhin gut bleiben soll, wird heute einer der beiden Reservetage genutzt, um eine weiteere Etappe zu fahren. Ruckzuck sind 32 km gespurt und los gehts. 160 Höhenmeter Differenz sollen es nur sein, nun ja, kein Problem. Denkste! Nur der Start war gut. Vier bis fünf Kilometer und schon habe ich Petrow überholt. Das läßt sich ja gut an. Doch er bleibt dran. Meinem Gefühl nach müßten wir auch die meisten Höhenmeter schon hinter uns haben. Doch der Anstieg nimmt kein Ende. Das Wetter wird schlechter und mächtiger Schneefall setzt ein. Der Wind und die nur wenig befahrene Skidoospur lassen den Schwung erlahmen. Mühsam kämpfen wir uns über den knietiefen Trail, vorbei an den berühmten, kaum zu überriechenden Schwefelquellen, da sehen wir auch Karl vor uns, oder besser über uns. Wie vorgestern muß ich jetzt wieder Kalli und Chubby nach vorne nehmen, denen diese Wühlerei besser behagt. Dadurch enteilt natürlich Petrow und sogar das Panjuchin Team (man muß Lena und Sergej wohl als ein Team ansehen) schließt auf. Doch meine Leiden sind noch nicht zu Ende. Unversehens bewege ich mich auf einer "blinden" Spur. Durch ein glücklicherweise eben aufreißendes Wolkenloch sehe ich Sascha und Karl, verd.... Ich signalisiere Sergej den Fehler und die beiden verschwinden im Nebel. Ich wühle derweilen mit meinen halbgewendeten und leicht verwickelten Hunden im grundlosen Schnee. Völlig erschöpft erreichen wir den Trail. Nun aber zackig. Doch es sollte eine Weile dauern, bis wir wieder in Schwung kommen. Dann im Birkenwald wieder fester Trail, der Rhythmus stimmt wieder, ich passiere noch Karl und die Panjuchins, doch verliere vier Minuten auf Sascha Petrow. 2.41 Stunden für 32 Kilometer. Wie sehne ich mich nach den Quellen!

Heute abend ist ein kleines Bankett. Der Halbzeitsieger Petrow und alle anderen werden geehrt. Für die ersten drei gibt es einen Handwärmer als Präsent. Ein wirklich gelungenes kleines Fest (ohne alkohol). Morgen müssen wir diesen himmlischen Platz verlassen und fahren über die Wasserscheide in das Nachbartal, an den Fuß des Avachavulkans. Wladimir, Karl und Pantiley kämpfen um Platz Fünf, während Sergej, auf Platz drei liegend immer weiter zurückfällt.

31.März 1994

Ein klarer kalter Morgen erwartet uns. 35 Kilometer und endlich mal ein flacher Trail. Die Stimmung ist gut. Bis zur Hälfte der Strecke ein absoluter Genuß. Bald bin ich allein auf weiter Flur, eine Stimmung wie im Märchen. ein leichter Wind weht Schnee über den Trail, doch bleibt die Sicht gut, ist der Trail auch besser markiert, zaubert die Sonne Lichteffekte der Superklasse.

Doch wie sollte es anders sein, zehn Kilometer vor dem Ziel, dem Zeltlager der "Kamtschatka adventure" in Setowinska, beginnt das übliche auf und ab mit brüchigem Schnee und wieder lassen sich meine Hunde irritieren. Doch es wird besser. Dennoch muß ich Petrow vorbeilassen und verliere weitere vier Minuten. es ist schon fantastisch, wie seine Hunde durch den schweren Schnee pflügen. Ü ber eine halbe Stunde zurück erst folgt Sergej, der damit schon 45 Minuten Rückstand zu mir hat. Karl erobert sich heute den fünften Platz zurück, gefolgt von Panteley Schmagin. Wladimir "Wowa" hat heute einen schlechten Tag.

Das Lger mit beheizten doppelwandigen Expeditionszelten ist sehr gemütlich und die Leute der "Kamtschatke Adventure" bedienen uns sehr aufmerksam. Allerdings ein Manko - keine heißen Quellen. nur die Muisher bleiben im Lager, der Rest wird ausgeflogen. Das Abendessen ist überaus reichhaltig und ich mausere mich langsam zum Lachsfan (wie meine Hunde übrigens auch), und das, obwohl ich sonst überhaupt kein Fischfan bin.

1.April 1994

April, April! Nein, es ist kein Aprilscherz. Heute wird es ernst. Der Avachapaß steht an. Noch nie ist er von Hunden überquert worden. 1256 Meter hoch leigt er zwischen Avacha und Koryaksky Vulkan. Wieder sind mehr als 1100 Meter Höhendifferenz, verteilt auf ca. 45 Kilometer zu bewältigen. Doch das Gros wird kurz vor der Paßhöhe zu bewältigen sein. Die Skidoos werden hochgeflogen und spuren nach unten, für sie ist es zu steil! Das kann ja lustig werden. Ein sonniger Tag, dochein eisiger Wind läßt böses ahnen. Der Traol ist sehr homogen angelegt und endlich mal fest. Schon bald bin ich an der Spitze. Oberhalb der Baumgrenze dann ein Panorama, das sich nicht beschreiben läßt. Wie ein Wurm kommt man sich vor unterhalb dieser beiden Vulkane. Daneben Berg an Berg, soweit das Auge reicht. Ein hundeteam in bester Verfassung, was will man mehr? Der Zustand absoluten Glücklichseins, wann kann man das schon genießen? Der Wind frischt auf. Petrow noch im Startabstand hinter mir, doch wie soll ich da meinen Rückstand wettmachen? Ich verschärfe das Tempo etwas und bekomme wieder mehr Luft zwischen uns. Auch der Wind verschärft sein Tempo, entwickelt sich zum Groundstorm. Es wird ungemütlich. Die Sicht verringert sich auf Null, trotz des blauen Himmels über uns. Der herangepeitscte Schnee sticht wie Nadeln im Gesicht, läßt Brille und Augenbrauen vereisen, zusammenkleben. Meine Waden ziert ein dicker Eispanzer; vielleicht hätte ich doch Strümpfe anziehen sollen!? Dere Trail wird zunehmend unterbrochen von Verwehungen bis Hüfttiefe. Die sparsamen Markierungen helfen auch nicht der schnellen Wegfindung und so dauert es nicht lange und Petrow sitzt mir wieder einmal im Genick. Zusammen bewältigen wir den immer schwerer zu findenden Trail.Mehrmals suchen wir vergebens nach den roten Fähnchen, doch wir finden immer wieder den Trail.
Petrow führt jetzt, seine Hunde sind bei den Bedingungen einfach stärker, doch ich kann dranbleiben. Plötzlich deutet Sacha nach links unten und nach einem Suchen entdecke auch ich undeutlich einen roten Marker, der Trail. 20 Meter unter uns. "Haw" und beinahe im freien Fall stürzen wir durch den grundlosen Triebschnee nach unten. Großes Sortieren und weiter geht´s. Doch Rusty läßt sich mal wieder entmutigen und mein Joker Kalli muß nach vorne. Seine Schwester Moa hingegen scheint sich schon besser auf die Schufterei eingestellt zu haben und so geht es zügig weiter - nur Sascha ist natürlich mittlerweile entfleucht. Schon kommen uns Moterschlitten entgegen und markieren den Trail. Fantastisch, doch für uns beide zu spät. Sascha verschwindet hinter der vermeintlichen Paßhöhe. Doch nein! Als ich über den Sattel spechte, geht es zwar rasant zu Tal, aber was dann folgt, gehört wohl eher in die Kategorie Eisklettern. Meine Hunde arbeiten sich tapfer hoch. Erstaunlich meine zehn Jahre alte Coco, sie arbeitet, als ob sie fünf Jahre jünger wäre. Ohne zu zaudern ziehen sie mich empor, doch auch mir wird reichlich warm dabei. Im Windschatten liegt der Avachapaß. Ich bin stolz auf meine Hunde. Kein Vergleich mit dem Gekrampfe einige Tage zuvor am Pinatschewskipaß. Noch fünf Kilometer bergab zu den Avachahütten. 1000m tiefer Petropawlowsk an der zugefrorenen Avachabucht. Kein Stein trübt heute meinen Abfahrtsgenuß. Nach 3.29 Stunden erreiche ich das Ziel, 13 Minuten hinter Petrow. Damit dürfte alles entschieden sein. Auch Karl ist wieder in Form und vergrößert seinen Vorsprung auf 20 Minuten vor Panteley, während Wowa weiter zurückfällt. Auch Sergej verliert eine halbe Stunde auf mich, sein Rückstand jetzt mehr als eine Stunde. Petrow und ich haben uns deutlich abgesetzt.
Die Avachahütten selbst liegen in einer fantastisch schönen Mulde zwischen den beiden Vulkanen. Sie sind leider recht heruntergekommen und zum Teil mit Schnee gefüllt. Nach dem Einheizen wird dann alles naß und ich bevorzuge es, im "Gasthaus" zu übernachten. Lieber laut als naß. Vor allem muß man ja nicht als erster zu Bett gehen.Die Atmosphäre ist merklich gelöster, der Paß liegt hinter uns. Bemerkenswert die Leistung de 57 jährigen Walentin Pecherski, der auf Rang 8 liegt. Den Schlitten gut beladen, behält er eisern die Tradition der sitzenden Fahrweise bei.

02.April 1994

Auch die Hunde scheinen zu merken, daß es nach Hause geht. Wie vor einem Sprintrennen gebärden sich meine acht Alaskans. Allesamt sind sie in bester Verfassung, besser als vor dem Start, als sie vom Durchfall geplagt ein Bild des Jammerns abgaben. Keine Verletzungen, keine Pfotenprobleme. "30 minuti na start", zum letzten Mal hören wir diesen Aufruf. Wieder fährt jedes Team selbstständig durch die Hütten zum Start und reiht sich auf. Ein fantastisches Bild mit den Vulkanen im Hintergrund. Ich sowie die anderen vier der Top Five bevorzugen jedoch die hundeschonendere Methode und kommen erst kurz vor dem Start.

Los geht´s, ungestüm brettern wir los und Kameramann Dieter Räkers wird beinahe Opfer einer leichten Kursverfehlung. Kann ja mal passieren - weiter geht´s bergab. Unten sind die nächsten drei Teams zu erkennen, fantastisch wie´s heute läuft. Nur Wowa fehlt. Er will es heute nochmal beweisen und erst fünf Kilometer vor dem Ziel kann ich ihn überholen. Der Trail ist fest, kein Wind, Sonnenschein, das Team läuft rund, das ist Mushen. Ein Blick nach hinten - kein Petrow. Kein Bruchschnee wird mich heute stören. Drei Minuten kann ich nochmal gutmachen. Mit knapp 24 km/h haben wir die letzten 35 Kilometer hinter uns gebracht. Karl wird heute mit 20 Minuten Rückstand dritter, drei Minuten vor Sergej.

Eine Unmenge von Zuschauern begrüßt uns begeistert und wir können uns kaum bewegen vor lauter Interviews, Fotosessions und Autogrammgeben. Von überall bekommen wir kleine Geschenke und schon die ersten Fotos. Eine fantastische Stimmung.
Es folgt sogleich die erste Siegerehrung im Startraum. Alexander Petrow aus Palana gewinnt nach 292 Kilometern (ohne Prolog) in einer Zeit von 19 Stunden 34 Minuten und 19 Sekunden. Das entspricht einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 14,9 km/h. Ich folge mit exakt 30 Minuten Rückstand, Sergej Panjuchin wird dritter mit weiteren 90 Minuten Rückstand. Es folgen Lena Panjuchina und Karl Habermann auf den Plätzen. Für Karl sicherlich ein fantastischer Erfolg, da er noch nie zuvor wein großes Rennen gefahren hat.

Die restlichen 2 1/2 Tage gehören den verschiedenen Abschlußfeierlichkeiten. Bier (endlich!) und Wodka fließen in Srömen. Wäre nicht das Thermalbad in Paratunkla, wir hätten schwerlich durchgehalten. 2.000$ bekommt Petrow für seinen Sieg und ein Uralmotorrad von der Administration für Kultur und Sport, sowie eine Million Rubel (etwa 1.000 DM) vom Kamtschatkischen Zughundeverband, obwohl er mit Alaskans fährt. Bei der überaus gut gestalteten offiziellen Abschlußfeier wurden schließlich alle geehrt, Lena als einzige teilnehmende Frau mit Geschenken überhäuft.

Nach einer viel zu kurzen Nacht schmeißt uns Karls Frau Liane aus den Federn.Ein aufregender Urlaub neigt sich dem Ende zu. Begeistert von der russischen und korjakischen Gastfreundschaft, beeindruckt von einer grandiosen Landschaft, dessen Weite wir nur erahnen durften, treten wir den Rückflug an. Dank Nikolaj, der uns die ganzen zwei Wochen rund um die Uhr helfend zur Seite stand und der auch durch nichts aus der Ruhe zu bringen ist, gelingt das Einchecken in Petropawlowsk problemlos. Auch Moskau bereitet trotz Abwesenheit einer helfenden Hand keine Probleme.

Für eventuelle Interessenten muß gesagt werden, daß das Ganze durchaus als Expedition angesehen werden muß und man für alle Fälle gerüstet sein sollte. Wenn es Alexander Pechen geling dieses Rennen auf diesem Niveau beizubehalten, entsteht mit Sicherheit eines der schönsten Rennen der Welt. Ein lohnendes Abenteuer ist es allemal.

Platz
Name
Ort
Zeit/Std.
Hunde
1
Alexander Petrow
Palana

19:34,19

AH
2
Thomas Gut
Frauenau
20:04,17
AH
3
Sergej Panjuchin
Petropawlowsk
21:34,22
KH
4
Lena Panjuchina
Petropawlowsk
22:19,18
KH
5
Karl Habermann
Wusterwitz
24:45,02
SH
6
Pantilej Schmagin
Lesnaja
25:20,07
KH
7
Wladimir Tenetegin
Palana
26:00,50
KH
8
Georgi Uwarow
Karaga
27:57,43
KH
9
Walentin Pecherski
Karaga
28:13,42
KH
10
Viktor Malkow
Karaga
28:20,49
KH
11
Juri Tuchonow
Lesnaja
28:31,16
KH
12
Robert Susdalow
Lesnaja
31:06,33
KH
AH = Alaskan Husky, SH = Sibirian Husky, KH = Kamtschatka Zughund
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Alpentrail 2000

von Michael Tetzner

Alpentrail 2000 " Batman war auch dabei" Seit 2 Jahren geisterte mir ein Start beim Alpentrail durch den Kopf. Ich konnte mir nur nicht vorstellen, was daran gut sein sollte. Doch die netten Worte eines Oranisators hatten mich dann überzeugt. Mein erstes Schneetraining war das Rennen in Langtaufers. Als ich dort meinen Abstand zu den Führenden gesehen habe war mir klar, dass ich beim Alpentrail mit Trainingsrückstand starten würde. Zumal ich auch während der Vorbereitung nur 17 Tage auf Schnee trainieren konnte. Mein Ziel war es dennoch teilzunehmen und durchzukommen. In Kartisch angekommen, wurde erst einmal in lustiger Runde "getankt" und ich wurde das Gefühl nicht mehr los, dass keiner das Rennen ernst nehmen würde. Die lustigen Tankrunden sollten die ganze Woche über gehen. Welche natürlich ein wenig am Körper zerrten. Dennoch kam ich auf folgende Formel: Die richtige V-Null ergibt mehr Ruhephase für die Hunde und innere Wärme für den Musher. Endergebnis: Man friert morgens nicht so beim Antreten. Nach dem ersten run war ich happy, dass ich überhaupt wieder heil angekommen war. Als mir Rudi im Stake-out seinen Körper zeigte, dachte ich erst, er hätte wegen der Kälte einen Taucheranzug drunter. Leider hat sich der Arme auf die Fresse gepackt und war am ganzen Körper total schwarz. ( Wo er gestürzt ist bleibt ein Insider) Das fängt ja gut an, das kommt bestimmt noch besser, dachte ich mir. Es kam besser. Auf der Fahrt zum Restartplatz viel meine Kopflampe aus. Für eine Fledermaus eigentlich nichts ungewöhnliches, doch eine Vermischung aus plötzlich Dunkel und steiler Abfahrt erfreuten nur die Hunde. Am Restart angekommen konnte ich dann endlich meinen Anfängerfehler wieder beheben. Doch dort war es auch nicht besser. Einer meiner Hunde versuchte sich zu verpiseln. Endlich wieder zusammen geknotet lutschte ich an einem Steifen Marsriegel und machte mich im Fackelschein auf den Heimweg. Nach wenigen Kilometern wollte mein Leader "Joakim" beim Überholen eines Teams den Trail verlassen und ich rief ihm zu " Joakim Trail". Darauf meinte die Musherin des vor mir fahrenden Teams:" Ich bin nicht der Joakim, ich bin die Claudia." Da dachte ich nur zum Glück heißt mein Leader nicht Vixen (wie einer aus der Rusty-Linie), Wahrscheinlich hätte es sich sonst ausgeflattert. Später dann bei der Abfahrt vom Kartischer Sattel fuhren der Waldschrat und ich ohne Licht um den Hunden etwas Spaß zu gönnen. Eine Fledermaus und ein umfunktionierter Keiler im Geschwindigkeitsrausch. Nach dem nächsten morgenlichen Antrampeln ging es dann eine Rodelbahn rauf, die sich aber dann bei der herrlichen Abfahrt wieder entschuldigen ließ. Der Batmansprung über die Böschung war dann nichts gegen, den steilen Abflug kurz vorm Ziel, als noch Detlef Herche auf mir landete. Fazit: Leichter Flügelbruch, links. Na ja, bei der letzten Etappe war dann am höchsten Punkt der Abfahrt noch ein Bauchklatscher, der die gesamte Abfahrt über anhielt. In bäuchlicher untypischer Haltung für Batman wurde ich dann von Karl Habermann und dem Vet aufgefangen. Vielen Dank noch einmal an dieser Stelle. Mein Ziel anzukommen war erreicht, und ich danke allen Helfern für die tolle Organisation. Den Trailabschnitt mit den Sicherungsseilen werde ich beim nächsten Mal besser bewältigen. Zur Zeit arbeite ich an einem Heliumschlittensack und an Düsenkufen. Zum Schluss noch eine Anekdote: Als ich mit meiner schwarzen Hündin (welche Farbe auch sonst) zum Behandeln bei Dagmar K. im Vetmobil war, kam jemand herein und meinte: " Ich zieh dann mal die Hose aus!" Dagmar sofort zu mir:"Es ist nicht so wie Du denkst". Teufel auch dachte ich: Jetzt können die Vet`s schon Batman`s Gedanken lesen. Fazit: für den Alpentrail 2001 ist Batman schon auf Erkundungsflug.

Euer Batman

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